Was sollten Kinder bei der Einschulung können?
Nein, Schreiben können ist vor dem Schulantritt nicht notwendig. Viel wichtiger sind andere Fähigkeiten. (Foto: Dorothee May, Schulranzen: Scout Alpha)

Was sollten Kinder bei der Einschulung können?

Auch jetzt bei meinem dritten Kind merke ich, welchem Druck sich Eltern aussetzen. Sie fragen sich, was ihr Kind bei der Einschulung schon alles können muss. Ich bin da etwas hin- und hergerissen. Meine beiden älteren Kinder konnten bei der Einschulung weder lesen noch schreiben. Ich finde das auch überhaupt nicht notwendig, denn das lernen sie in der Schule. Von Beruf bin ich Lehrerin und weiß daher, mit welchen unterschiedlichen Voraussetzungen die Kinder eingeschult werden.

Die neuen Stifte im schicken Mäppchen auszuprobieren macht natürlich trotzdem Spaß!

Meine kleinste Tochter jedoch möchte seit geraumer Zeit wissen, welche Buchstaben das sind und fängt jetzt langsam an zu lesen. Aber das ist wirklich, weil SIE SELBST es möchte und sehr wissbegierig ist. Sprache war schon immer ihr Element. Ich habe meinen anderen beiden Kindern genauso viel vorgelesen und erzählt, einfach, weil ich das für wichtig halte. Und gerade mein Sohn findet Lesen eher doof. Ich kenne also durchaus beide Seiten. Trotzdem stelle ich jetzt besonders fest, dass andere Eltern ihren Kindern zwanghaft lesen beibringen wollen, damit sie ihrer Meinung nach in der Schule nicht „abgehängt“ werden.

Viel wichtiger jedoch ist aus meiner Warte die emotionale Reife des zukünftigen Schulkindes.

Hier meine 6-Punkte-Checkliste „Schulreife“:

  • Eigenständigkeit: Das Kind sollte in der Lage sein, sich längere Zeit von seinen Eltern trennen zu können
  • Frustrationstoleranz: Nicht immer gelingt in der Schule alles sofort
  • Sozialverhalten: Das Kind sollte mit anderen Kindern auskommen können
  • Ortskundigkeit: Beim Busfahren sollte sich das Kind im Straßenverkehr zurechtfinden und die eigene Wegstrecke kennen
  • Selbstständigkeit: Die Lehrerin kann nicht jedem Kind die Jacke anziehen
  • Aufmerksamkeit: Das Kind sollte in der Lage sein, eine längere Zeit seine Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten

Dies sind alles Dinge, die meiner Meinung nach zur Kernkompetenz gehören, um schulfähig zu sein. Daran sollte im Kindergarten und im Elternhaus gearbeitet werden. Nicht selten weinen Kinder in der Schule, weil sie so lange von den Eltern getrennt sind oder weil sie mit dem Busfahren nicht zurecht kommen.

Natürlich können trotzdem Situationen auftreten, in denen das Schulkind frustriert ist und sich mit einer Situation überfordert zeigt. Das ist völlig normal. Schließlich ist die Schule anders als der Kindergarten.  Ich finde es daher wichtig, mit den Kindern zu üben, bei anderen Kindern zu bleiben oder alleine zum Beispiel zum Kinderturnen zu gehen.

Außerdem sollten die Eltern darauf achten, ihren Kindern nicht alles abzunehmen. Die Sprösslinge können durchaus Streitigkeiten alleine klären. Das macht stark und gibt Selbstvertrauen! Deshalb: Eltern, macht euch locker, euer Kind macht das schon!