Tütendruck
Passend zur Einhorn-Schulausstattung: die selbst gebastelte Einhorn-Schultüte (Schulranzen: DerDieDas ErgoFlex "Lovely Moon").

Tütendruck

Vorläufiger Höhepunkt der Einschulungsvorbereitung: die Schultüte.

Schultüten sind ja heutzutage Statussymbole: Ich bastle, also bin ich. Eine gute Mutter. Zu meiner Zeit kam es noch auf die inneren Werte an (Gummibärchen, Schokolade, Plüschfigur als Glücksbringer, Schokolade, Schokolade). Heute jedoch, wo der Inhalt gluten- und laktosefrei sein muss, zählt vor allem die Optik. Und der Weg dahin bedeutet: Aufwand.

Die kleine Prinzessin meiner Nachbarin wird im September eingeschult. Klar, dass da schon jetzt an die Schultüte gedacht werden muss. Also sitzt die bemitleidenswerte Mutter nach einem ausgiebigen Shoppingtag (Bastelgeschäft: dicker Fotokarton, Buntpapier, Kreppapier, Heißklebepistole, Glitzerfolie, Filz, Schleifenbänder – natürlich alles in exakt auf Schulranzenfarbe und -motiv abgestimmten Nuancen. Kurzwarenladen: Stoff, Zackenschere, Bommelborte, Kordeln, Stickmotiv, Perlen …) auf dem Fußboden und versucht sich mit schon leicht frustriertem Gesichtsausdruck am Tütendrehen. 

Zum Glück kenne ich aus alten Zeiten noch den Zirkeltrick: Gemeinsam verbinden wir zwei Bleistifte mit einer Schnur. Die Schnurlänge bestimmt die Höhe der späteren Schultüte (je nach Größe und Gier des Kindes irgendwas zwischen 60 cm und volle Kante, also 84 cm – kürzen geht schließlich immer), der innere Winkel des Kreisausschnittes bestimmt deren Umfang. Anlegen, anzeichnen, ausschneiden. Mist. Klebekante vergessen. Zum Glück wurde alles doppelt gekauft.

Die Basis für eine perfekt geformte Schultüte: der Zirkeltrick.

Ist der Rohling fabriziert, gilt es, die vielen im Überschwang erworbenen Dekomaterialien sinnvoll einzusetzen. Die Frage ist nur: Ist es schlauer, die Pappe mit Stoff und Accessoires zu bekleben oder kommt die Nähmaschine zur Fertigung einer Außentüte zum Einsatz? Wir entscheiden uns für ersteres, weil weniger Aufwand. Jetzt aber zum Design: Wo kommt was hin und warum? Kurzentschlossen und angefixt (bin ja schließlich Gestalterin von Kommunikationsmedien, und was ist die Schultüte anderes?) mache ich erst mal eine Skizze. Zweieinhalb Stunden später sind Aufgabe und Stimmung deutlich gelöster.

Ich verlasse den Ort des Geschehens mit der Gewissheit, beim zweiten Nachbarskind (aktuell Trotzphase, Kindergarten, Einschulung übernächstes Jahr) rechtzeitig, also noch vor Pfingsten, mit einer liebevoll gestalteten, fix und fertigen Schultüte anzurücken – exakt passend zum Schulranzen. Dazu kaufe ich ein Stück weißen Baumwollwebstoff, leihe mir von der glücklichen Mutter das Mäppchen oder ein anderes Teil, auf dem das Schulranzenmotiv zu sehen ist … und springe damit zu einem dieser Textildrucker, die ansonsten pseudo-witzige Sprüche auf T-Shirts pressen. Die sollen auch mal was Sinnvolles machen.

PS: Die Einhorn-Schultüte könnt ihr ganz leicht nachbasteln – hier gibts Vorlagen für Kopf, Ohren und Sterne.