Trinken und darüber reden
Links der Wein – oftmals überbewertet. Rechts davon mein Leonhard Heyden Visitenkartenetui – für mich von unschätzbarem Wert.

Trinken und darüber reden

Notizen einer Eventmanagerin: Die Weisheit des Weins

Ein guter Teil meiner Zeit geht für Recherche drauf. Man kann nicht einfach blindlings irgendwohin fliegen und mal auf gut Glück nach der passenden Location für ein Event suchen. Das Internet zu Rate ziehen ist jetzt auch nicht zwingend der Weisheit letzter Schluss. Also, es hilft nichts: Man muss Kontakte knüpfen. Viele Abende sind damit gefüllt, Locations, Hotels, Restaurants und Clubs in der eigenen Stadt zu besichtigen. Oder man geht zu einem „Network-Evening“, auf dass man den Zentralverkäufer einer Hotelkette, den Repräsentanten irgendeines Landes oder sonstwen kennenlernt. Das Ganze ist immer eine Wundertüte: Man tauscht Visitenkarten aus – und der Veranstalter ist stets zu bedauern. Wer sich eine Horde Event-Planer einlädt, der ist direkt schon mal in der ewigen Defensive.

Jüngst habe ich mich breit schlagen lassen, einem Abend beizuwohnen, bei dem es um eine Hotelkette, um Österreich und Weine aus der Wachau gehen sollte. Letzteres war sozusagen das Zünglein an der Ja-ich-komm-Waage. Denn es steht die ewige Frage im Raum: Welcher Wein zu welchem Essen? Wenn schon mal einer so eine Frage beantworten will, dann steht zu hoffen, dass es auch was zu Essen gibt. Und wenn nicht: Man kann dann übers Wochenende gemächlich den Kopf frei bekommen und überlegen, ob viel Wein ohne Essen empfehlenswert ist.

Der Freitagabend hat sich gelohnt. In jeder Hinsicht. Es wurde uns ein Essen serviert, von dem ich noch lange zehren werde. Und die sprichwörtliche Weisheit des Weins. Daher an alle Sommeliers dieser Welt: Ich bin ein ganz großer Bewunderer eurer Sprache. Mit Ehrfurcht erfährt man, dass im Wein Aprikosen, Brennesseln, Holz, Toast oder gar Joghurtaromen stecken, der schwachbrüstige Körper eventuell mit einem wuchtigen, waldigen Abgang erfreut. Man lauscht atemlos den poetischen Ausführungen, in denen ungefähr jedes Lebensmittel und jedes Material überhaupt vorkommt. Ich frage mich immer: Woher weiß der Sommelier, wie ein nasser Lederschuh schmeckt? Ist hier gar ein unbewältigtes Trauma, weil medizinale Noten erschmeckt werden? Man weiß es nicht.

Am Freitag jedoch teilte der Winzer mit, was ich für mich schon lange im Laufe zahlreicher Weinproben festgestellt habe und bei jedem Event predige: Wein soll schmecken. Wein ist Genuss. Punkt. Dabei ist es völlig schnurzegal, welcher Wein. Also, ihr Lieben: Ein Weinkenner ist derjenige, der den Wein gefunden hat, der ihm schmeckt. Ob das nun der Lambrusco beim Italiener ums Eck ist oder der Riesling vom gerade angesagten Weingut: egal. Sagt der kluge Winzer. Gekeltert wird für den Genuss.

Es kann sein, dass jetzt viele diesen Blog verteufeln und ganz schlimm mit mir schimpfen. Aber: Es heißt „in vino veritas – im Wein liegt die Wahrheit“. Hieße es „im nach Pampelmusen riechenden, kreidelastigen Wein, der mit zierlichem Körper aufwartet und durch einen metallischen Abgang mit bachkieselartigen Noten erfreut, liegt die Wahrheit“ , dann dürft ihr mit mir schimpfen. Aber keinen Schluck vorher!