Studieren probieren?
Auch Frauen mit Kindern können sich weiterbilden, brauchen aber ein gutes Zeitmanagement. (Tasche: Leonhard Heyden)

Studieren probieren?

8 Gründe für ein berufsbegleitendes (Fern-)Studium. Und 8 dagegen.

Die Gründe, warum jemand studieren möchte, können ganz unterschiedlich sein. Dabei sind laut einer Studie (2016) der Internationalen Hochschule Bad Honnef für Studierende in Präsenzstudiengängen völlig andere Motive wesentlich als für Studierende, die berufsbegleitend einen akademischen Abschluss anstreben. Während bei präsent Studierenden eher individuelle Interessen als berufliche bzw. arbeitsmarktbezogene Aspekte ausschlaggebend sind, stehen bei berufsbegleitend Studierenden naturgemäß andere Motive im Vordergrund, da sie ja bereits im Beruf stehen. Sie sehen das berufsbegleitende Studium vorwiegend als Karrieretreiber und demzufolge als finanziell lohnende Investition.

Unabhängig davon, ob ein berufsbegleitendes Studium per Fernstudium oder an einer „regulären“ Hochschule erfolgt: Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass dies über mehrere Jahre eine Doppel- und Dreifachbelastung bedeuten kann. Feierabende und Wochenenden müssen fürs Lernen und Schreiben von Projekt- oder Abschlussarbeiten geopfert werden. Familie und Freundschaften können darunter leiden – und letztlich auch die eigene Psyche und Belastungsfähigkeit. In letzter Konsequenz kann sich dies sogar negativ auf den Beruf auswirken. Gerade für Frauen, die bereits Kinder haben, sind solche Mehrfachbelastungen eine Herausforderung.

Studieren nach Feierabend oder während der Elternzeit? Keine leichte Entscheidung. Hilfe bietet eine Checkliste, die hier zum Download bereitsteht (Aktentasche: Leonhard Heyden).

Deshalb sollte vorab genau überlegt werden, welche Interessen im Vordergrund stehen, welche Fähigkeiten des Zeitmanagements vorhanden sind und wie hoch die eigene Motivation ist, über Jahre hinweg kontinuierlich zu lernen. Denn es wird immer wieder unterschätzt, welche Aufgaben bewältigt werden müssen und welche eigenen individuellen Ressourcen tatsächlich aktiviert werden können. Nicht immer gelingt dies – und zwei, drei oder gar vier Jahre Studium sind dann infolge eines Studiumabbruchs umsonst.

Die Entscheidung für oder gegen ein berufsbegleitendes Studium sollte aus diesem Grund gut vorbereitet werden. Die Pro-und-Contra-Liste kann dabei helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen:

 8 Gründe für ein berufsbegleitendes Studium

  1. Durch das Studium findet eine weitere bzw. höhere Qualifizierung statt, es wird ein höherer Akademisierungslevel erreicht. Durch das absolvierte Studium erreichen Sie eine höhere Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt und schaffen die Voraussetzungen für eine weitere berufliche Aufwärtsentwicklung.
  2. Das Studium kann dazu genutzt werden, sich einer neuen Fachrichtung zuzuwenden, die optimalerweise enge Bezüge zum ausgeübten Beruf hat.
  3. Die vorhandenen praktischen Erfahrungen werden durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt.
  4. Sie profitieren vom neuen Netzwerk, das durch das Zusammenarbeiten mit Kommilitonen und Dozenten entstehen kann.
  5. Durch die (zusätzliche) akademische Ausbildung erhalten Sie einen neuen Blickwinkel auf Ihre beruflichen Aufgaben und Probleme.
  6. Im Sinne eines lebenslangen Lernens gewöhnen Sie sich durch das Studium wieder an das strukturierte Lernen und können dadurch auch in beruflicher Hinsicht neue komplexe Informationen schneller aufnehmen und verarbeiten. Sie schärfen zudem ihre analytischen Fähigkeiten.
  7. Sie schulen Stressresistenz, Zeitmanagement und Selbstorganisation und beweisen, dass Sie Disziplin und Organisationsfähigkeiten haben.
  8. Das Studium ermöglicht es Ihnen, sich persönlich weiterzuentwickeln, Ihre Schwächen und Potenziale zu erkennen, kritisch zu reflektieren und zu beeinflussen.

 … und 8 Gründe dagegen

  1. Nicht immer ist sicher, dass das Studium die Erwartungen erfüllt und die Karriere tatsächlich vorantreibt.
  2. Ebenso wenig gewährleistet ist, dass sich das Studium als sinnvolle Investition herausstellt. Beispielsweise geben im Schnitt lediglich 30–40% der Fernstudenten an, dass sich die Investition für sie gelohnt hat (Studie 2016 der Internationalen Hochschule Bad Honnef).
  3. Für das berufsbegleitende Studium müssen in der Regel, je nach Studiumsphase, mindestens 8–20 Stunden pro Woche zusätzlich aufgewendet werden. Daraus resultieren zeitliche Engpässe und Belastungen in Bezug auf Privatleben, Familie und Beruf.
  4. Die finanziellen Aufwendungen, die mit dem berufsbegleitenden Studium verbunden sind, betragen nicht selten mehrere Tausend Euro.
  5. Es sollte individuell kritisch reflektiert werden, inwieweit neben den zeitlichen Belastungen auch die psychischen Belastungen (z.B. durch Prüfungsphasen) angemessen bewältigt werden können. Wer bereits während der Schul- oder früheren Studienphasen nächtelang vor Prüfungen nicht schlafen konnte, dürfte hier Déjà-vu-Erlebnisse haben.
  6. Wer zwar gerne lernt, aber ungern schreibt, für den stellt ein Studium eine besondere Herausforderung dar. Es müssen Seminararbeiten, Projektarbeiten und vor allem die jeweilige Abschlussarbeit (Bachelorarbeit oder Masterarbeit) verfasst werden. Hinzu kommt, dass wissenschaftliches Schreiben eine gänzlich andere Art des Schreibens darstellt als beispielsweise das Verfassen eines Blogartikels.
  7. Die Zeit, die für ein berufsbegleitendes Studium aufgewendet wird, steht nicht oder nur in geringem Maße für andere berufliche Weiterbildungen zur Verfügung.
  8. Die ausgewählte Hochschule genügt möglichweise nicht den eigenen Anforderungen. So kann sich im Laufe des Studiums z.B. herausstellen, dass die Betreuungssituation und / oder die Qualität der Dozenten ungenügend ist. Die starke Zunahme von privaten und staatlichen Angeboten macht es mitunter schwer, vorab die geeigneten Angebote zu identifizieren. Fühlt man sich während des Studiums seitens der Hochschule allein gelassen, kann dies die gefühlte Belastungssituation erheblich verstärken.

In jedem Fall sollte mit dem Arbeitgeber besprochen werden, ob er das Studium finanziell und/oder organisatorisch unterstützt, beispielsweise indem er die Finanzierung des Studiums teilweise bzw. komplett übernimmt oder indem er eine zeitliche Flexibilisierung während der Prüfungszeiten einräumt. Nicht selten beteiligt sich der Arbeitgeber an den Kosten, wenn er einen entsprechenden Mehrwert an der Qualifizierung erkennt und das berufsbegleitende Studium demzufolge als Maßnahme zur Personalentwicklung angesehen werden kann. Erklärt sich der Arbeitgeber zur Förderung bereit, verpflichtet sich der Geförderte allerdings in der Regel auch, nach Studienabschluss eine gewisse Zeit im Unternehmen zu bleiben. Meist wird dies auch vertraglich festgelegt. Für den Studierenden heißt das, dass er vor Aufnahme des Studiums seine damit verfolgten Interessen genau identifizieren und abwägen sollte.