Müssen Kinder zu Hause helfen?
Ein bisschen Haushalt schon für Teenager?

Müssen Kinder zu Hause helfen?

Ordnung ist das halbe Leben, die andere Hälfte ist dann … was? Wenn ich bei meinen Töchtern in die Zimmer schaue weiß ich es. Chaos! „Ja,“ denke ich mir im Stillen, „so entstehen neue Welten“ – während im Hinterkopf schon das Programm zur Wiederherstellung des Kinderzimmers abläuft.

Und während ich so im Türrahmen stehe und mir überlege, wie ich dem Wahnsinn Herr werde, fällt mir der Vertrag ein, den ich mit meinen mittlerweile ja auch schon zehn und zwöf Jahre alten Töchtern geschlossen habe: den Ich-helfe-im-Haushalt-mit-Vertrag.

Da steht drin, wer, was wie oft in der Woche im Haushalt macht. Ich finde, Kinder können auch schon in jungen Jahren leichte Tätigkeiten im Haushalt übernehmen. So lernen sie nicht nur, Verantwortung zu übernehmen. Klar definierte Pflichten können auch das Selbstbewusstsein fördern und dazu beitragen, dass Kinder sehen, dass im Zusammenleben jeder seine Rechte, aber eben auch Pflichten hat.

Meine Töchter sind zum Beispiel für den Müll, den Geschirrspüler und natürlich ihre eigenen Zimmer verantwortlich. Das entlastet nicht nur uns Eltern etwas, sondern macht auch deutlich, dass der scheinbar so leicht von der Hand gehende Alltag mit viel Arbeit verbunden ist. Natürlich sollte sich der vom Nachwuchs im Haushalt geleistete Aufwand in Grenzen halten und die Arbeit nicht überhand nehmen – davor schützen ja auch schon die einschlägigen Gesetze zur Kinderarbeit –, aber irgendwann werden unsere Töchter ja schließlich nicht mehr bei uns wohnen. Und wer dann nicht ansatzweise gelernt hat, was es bedeutet, einen Haushalt zu führen dem kann man dann auch später mal keinen Vorwurf machen dass er das nicht kann. Apropos Gesetz: Das bürgerliche Gesetzbuch sieht das Mithelfen als Gegenleistung für den Erziehungsauftrag und das Dach über dem Kopf an und definiert ab dem 14. Lebensjahr sieben Stunden wöchentliche Mithilfe im Haushalt als durchaus angemessen – nachzulesen in §1619 BGB.

Mit unserem Vertrag klappt das bisher eigentlich ganz gut. Manchmal muss man auf ein paar Dinge hinweisen, aber Streit oder Vorwürfe gab es deswegen nie. Mit Strafen sollte man sich hier ohnehin eher zurückhalten, die frustrieren eher. Stattdessen reagieren wir verständnisvoll und versuchen, unsere Töchter an die Hand zu nehmen und motivierend anzuleiten – das dauert dann zwar auch mal länger, aber am Ende ist allen geholfen.

Der Vertrag sieht übrigens auch vor, dass die Kinder pro Monat eine Kleinigkeit extra bekommen. Bei uns ist das mal ein Kinobesuch, ein Buch oder etwas in der Art. Da kommt es dann tatsächlich auch schon mal vor, dass die Kinder bei der Wäsche helfen wollen. Und das ungefragt und gerne.

Mit diesen Gedanken schließe ich, immer noch im Türrahmen stehend, die Türe zum Kinderzimmer, gehe zur Kaffeemaschine und mache mir erst mal einen schönen Espresso.