Mein Kind im Dreck

Mein Kind im Dreck

Wieviel Matsch und Schmutz ist gesund fürs Kind?

Um den Dreck von unserem inzwischen 14 Monate alten Sohn fernzuhalten, müsste ich ihn einsperren. Den Sohn, nicht den Dreck. Wenn man aber ein naturverbundenes Energiebündel daheim hat, ist das gar nicht so leicht umzusetzen. Und das will ich ja auch gar nicht, auch wenn es mir einiges erleichtern würde.

Sobald wir morgens den Hund in den Garten lassen, muss der Kleine hinterher. Untersagen wir ihm das, haben wir einen Fall für die Super-Nanny. Also rein in den Matschanzug – der ist ja zum Glück erst seit ein paar Wochen nötig – und raus in den Garten. Gartenschlauch, Pfützen, Sandkasten, Drecklöcher, die Hund und Kind mit vereinten Kräften im Garten graben. Nichts bleibt verschont. Und danach wird in der Regel geduscht. Am schlimmsten betroffen sind meist Hände und Gesicht. Ruß vom kalten Grill, Sand oder auch mal undefinierbar Übelriechendes. Alles um und im Mund meines kleinen Kerlchens, der nach getaner Arbeit freudestrahlend auf mich zumarschiert.

Da fragt man sich: Ist das denn noch gesund? Wie viele Keime und Exkremente sich in all dem zum Frühstück umgemodelten Dreck verbergen, will ich oft lieber nicht wissen. Allerdings bin ich ziemlich schmerzfrei und freue mich nur, dass mir dann wenigstens die Marmeladenspuren an Tisch und Stühlen erspart bleiben. Da muss ich dann nur das Kind grundreinigen und hoffen, dass ich mir dabei nichts einfange. 😉

Wäre der Kleine übermäßig oft krank oder von Geburt an empfindlich, wäre ich warscheinlich längst nicht so locker. Da ich aber selbst als Kind generell dreckig war und weder er noch ich jemals krank werden, bin ich froh, dass er lieber im Dreck wühlt als vor dem Fernseher zu sitzen.

leonies-kind-isst-dreck_720x300

Ich kann zwar weder mit Statistiken noch mit Beweisen aufwarten, aber Tatsache ist, dass das Immunsystem meines Kleinen ganz wunderbar ausgeprägt ist. Und ob das an der Muttermilch, der guten Luft, den Genen oder eben dem Dreck liegt, ist mir eigentlich egal. Ich bin mir nur ganz sicher, dass es nichts als Stress und Unmut in die Familie bringt, wenn man versucht, sein Kind steril zu erziehen. Wir sind ja schließlich auch immer mit dreckigen Klamotten und bis in die Abendstunden draußen gewesen. Und sind wir übermäßig krank?

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, dass sich unser Kleiner stundenlang im Dreck beschäftigen kann und keine Berührungsängste mit der Natur hat. Und was gibt es Schöneres, als die braun eingefärbten Haare seines Kindes wieder blond zu waschen und den Mund von Kieselsteinen und Sandklumpen zu befreien?

Nachtrag: Ich habe dann doch noch mal nachgeforscht. Es gibt Untersuchungen. Eine davon wurde 2012 im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums durchgeführt, mit insgesamt 1.200 Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren. Ergebnis: Kinder, die in der Stadt aufgewachsen sind, haben 15-mal häufiger Allergien als Kinder vom Bauernhof. Je mehr die Bauernkinder im Dreck des Stalls unterwegs waren, desto höher deren Schutz vor Allergien und Asthma. Das scheint allerdings nur dann zu gelten, wenn die Konfrontation mit Keimen & Co. im sehr frühen Lebensalter erfolgt. Mäuse, die in keimfreier Umgebung aufwuchsen, haben eine deutlich höhere Anfälligkeit für Allergien und Autoimmunerkrankungen als solche, die in einer Umgebung mit natürlich vorkommenden Keimen aufgewachsen waren. Im Dreck spielen ist also nicht nur wegen der frischen Luft gesund. 🙂