Lernen findet immer statt
Kinder wollen lernen – und dazu können wir ihnen viele Möglichkeiten bieten (hier: mit Scout Lernspiel vom Lingen Verlag).

Lernen findet immer statt

… gerade bei Kindern. Es ist ein Trugschluss, dass Kinder nur lernen, wenn wir sie mit Frontalunterricht erschlagen und mit Zwang fördern und fordern.

Kinder WOLLEN lernen. Sie möchten ihr Hirn ständig neu füttern, verstehen, lernen und sich entwickeln. Kinder fragen und fragen, und wie oft sind wir davon genervt oder erschöpft? Ich nehme mich da gar nicht aus und weiß zu gut, dass mich meine Kinder damit nicht nerven wollen. Sie tun nichts gegen mich. Sie tun nur etwas für sich. 

Und diese zwei Sätze sage ich mir und den Erwachsenen in unserer Umgebung immer wieder vor. Es ist so wichtig zu verstehen, dass Kinder einfach nur weiterkommen wollen – und dass das mit uns rein gar nichts zu tun hat. Achtung, Provokation: Deshalb ist Schule, wie wir sie kennen, schlichtweg unpraktisch und kein Stück zielführend. Wir lassen uns berieseln, hören die meiste Zeit nicht zu (und langweilig ist es häufig noch dazu).

Ich finde: Lernen darf nicht bedeuten, Wissen in die Kinder hineinzustopfen – sondern ihnen ein interessantes Angebot zu machen.

Lernen kann ein Mensch viel besser, wenn er sich wohl fühlt, aufnahmebereit ist, mitmachen darf und sich für das gelernte interessiert oder zumindest einen Sinn dahinter erkennen kann. Das wäre nämlich das Argument für die Leute, die spätestens hier laut aufschreien: Ja, ich weiß, dass unsere Kinder Abschlüsse brauchen, um bestimmte Berufe – ihre Wunschberufe – ausüben zu können. Und ist das nicht eine viel größere Motivation als Angst vor den Eltern und ihren sogenannten „Konsequenzen“ bei schlechten Noten zu haben oder in die Schule zu gehen, weil „man es halt so macht“?

Ich denke doch. Und es gibt schon jetzt unzählige Kinder, die komplett schulfrei leben und von sich aus die Dinge lernen, die für ein Abitur oder eine mittlere Reife nötig sind, um das tun zu können, was sie gerne möchten. Da wir in Deutschland aber die Schulpflicht haben und unser Schulsystem kaum umgehen können, liegt es an uns Eltern, die richtige Möglichkeit und Lösung für uns und unsere Kinder zu finden. Es gibt so viele verschieden Schularten (und manchmal reicht sogar schon ein guter Lehrer in einer konventionellen Schule …)

Auch bei meinen Kindern möchte ich das so handhaben. Ich möchte sie bei dem unterstützen und fördern, das sie interessiert. Wir lernen ganz spielerisch und nebenbei Farben, Zahlen und Buchstaben. Manchmal auch draußen in der Natur, wo es am meisten zu entdecken gibt.

Zusätzlich, meiner Meinung am wichtigsten: realitäts- und praxisnahe Dinge, die man tatsächlich zum Leben in, mit und trotz unserer Gesellschaft braucht. (Soziales Verhalten, Umgang mit verschiedenen Charakteren, Eigentum und die Wichtigkeit dessen für andere …)

Und wenn ich merke, dass einige Sachen meinen Kindern eher weniger liegen, bringt es überhaupt nichts, das Wissen in sie hineinzustopfen. Ich gebe ihnen mehr Zeit, um zu sehen, ob das Interesse oder das Verständnis dafür noch von alleine kommt, oder versuche, das Angebot zu ändern und interessant zu machen. Wenn dann weiterhin alles doof und uninteressant ist, kann ich immer noch – total erwachsen und spießig – sagen, dass er aber lesen/rechnen/schreiben/Dreisatz/Französisch (und so weiter …) können muss, um bestimmte Dinge im Leben erreichen zu können.

Und jetzt kommt der Knackpunkt, womöglich das Schwierigste am Elternsein: Jetzt muss ich mich auf meine Hände setzen, ein Klebeband über mein vorlautes Mundwerk kleben und meinen Kindern Vertrauen schenken. Sie sind kompetente, in meinen Augen viel „bessere“ und noch nicht verbogene kleine Menschen, die auf ihr Gefühl und ihren Instinkt hören und sich davon leiten lassen. Also: Wer hat da jetzt mehr Ahnung? 

So oft meine ich zu wissen, was das Beste für sie ist – und damit meine ich leider: das Beste in meinen Augen – und nicht in ihren. (Wäre all das, was ich mache, so perfekt, wäre ich wohl kein stinknormaler Mensch mit Macken und Eigenarten und blöden Einfällen, eben genauso wie alle anderen auch.)

Geduld und Vertrauen in seine Kinder zu haben ist also eines der größten Güter … und ich versuche täglich, mich daran zu halten, gerade, wenn ich ihnen mal wieder meine Ideen überstülpen möchte …

Dieser Beitrag ist mit freundlicher Unterstützung des Lingen Verlags entstanden. Dort gibt es die Wissenskarten zum Bestimmen und andere tolle Scout Sachen zum Spielen und Lernen.