Homeschooling – und nun? Erfahrungen und Tipps für Eltern
Wenn Kinder ihr Schulpensum plötzlich zu Hause erledigen müssen, ist Organisation, Zusammenhalt und Toleranz gefragt.

Homeschooling – und nun? Erfahrungen und Tipps für Eltern

Gerade in der jetzigen schwierigen Situation erlebt man so manche Familie am Rande der Belastbarkeit. Einerseits, weil ein oder beide Eltern arbeiten müssen und sie andererseits nebenbei aber auch noch das Homeschooling ihrer Sprösslinge überwachen sollen. (Als wäre es nicht schon eine Herausforderung, die Kinder bei Laune und im Haus zu halten …) Für Kinder bedeutet das Stubenhocken oft mehr, als wir Erwachsene uns vorstellen können. Von 100 auf 0 wurde das soziale Leben zurückgefahren, die Kinder können ihre Hobbys und ihre Freundschaften nicht mehr pflegen. Was momentan passiert, bereitet uns Eltern ja schon Sorgen, für Kinder ist es aber oft noch viel schwieriger.

Ein Patentrezept für gutes Homeschooling gibt es nicht – aber ein paar Tipps vielleicht schon.

Als dreifache Mutter und gleichzeitig Lehrerin bin ich nun also an beiden Fronten tätig. Einerseits will ich für meine Schulkinder Aufgaben bereitstellen, andererseits muss ich auch die häuslichen Pflichten meiner Kinder überwachen. In meiner Schule stellten wir einen Bildungsserver online, auf den jeder Lehrer seine Materialien hochladen konnte. Das Problem war allerdings, dass dieser Server die ersten Tage pausenlos überlastet war. Ich konnte also weder meine Materialien hochladen noch konnten die Schüler darauf zugreifen – was dazu führte, dass ich pausenlos am Rechner war, um doch noch mein Glück zu versuchen. Außerdem bekam ich Anrufe und E-Mails von Schüler-Eltern, die verzweifelt waren, weil sie sich auf dem Server nicht einloggen konnten. Die ersten Tage verbrachte ich also abwechselnd am Computer oder am Telefon. Dazwischen versuchte ich meine eigenen Kinder zu beruhigen, da sie mit ihren jeweiligen Schulen das gleiche Problem hatten.

Soweit meine eigenen Erfahrungen – und daraus resultierend  hier meine Tipps.

  • Anfangsmotivation nutzen
    Zu Beginn der Homeschooling-Zeit sowie morgens allgemein werden die Kinder motivierter sein. Idealerweise mit einer möglichst leichten Aufgabe beginnen. Wenn das Kind schon an der ersten Aufgabe verzweifelt, hat es keine Lust mehr und die Motivation lässt stark nach.
  • Strukturen schaffen
    Auch zu Hause wichtig – schreiben Sie mit Ihren Kindern einen Stundenplan, an den sich alle halten müssen.
  • Absprachen treffen
    An jedem Abend wird besprochen, wie der nächste Tag aussieht und wer welche Aufgaben zu erledigen hat.
  • Spielerisch lernen
    Auch mit Alltagsgegenständen kann sehr viel gelernt werden. So eignen sich z. B. Legosteine super, um den Kindern Bruchrechnen zu veranschaulichen. Auch beim Essen oder gemeinsamen Spielen lernen Kinder wichtige Tugenden (Fairness, Verlieren können,…) , die auch in der Schule sehr wichtig sind. Aber: Seien Sie nicht zu streng mit Ihrem Kind und erwarten Sie nicht, dass Sie als „Lehrperson“ sofort akzeptiert werden. Schließlich sind Sie die Mutter oder der Vater.
  • Bewegungspausen einbauen
    Kinder können nicht wie Erwachsene stundenlang am Tisch sitzen – sie brauchen Bewegung. Gehen Sie zwischendurch eine Runde spazieren oder spielen Sie im Garten.
  • Vorlesestunden einbauen
    Nutzen Sie die gemeinsame Zeit auch, um ihren Kindern ausgiebig vorzulesen. Dabei lernen die Kinder sehr viel und alle genießen die gemeinsame Zeit!
  • Eigenverantwortung stärken
    Wenn Sie nicht die ganze Zeit daheim sein können, sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Verantwortung, die es nun hat. Sie werden sehen, wie Kinder an Aufgaben wachsen können.
  • Briefe schreiben
    Gerade in der jetzigen Situation ist die richtige Zeit, den Großeltern oder anderen lieben Verwandten einen Brief zu schreiben. Einen besseren Schreibanlass kann sich die Schule gar nicht ausdenken.
  • Erklärungen liefern
    Erklären Sie ihrem Kind Viren/Pandemie! Jetzt ist die Gelegenheit dazu, den Kindern Biologie nahe zu bringen. Helfen Sie sich mit kindgerechten YouTube-Videos oder schauen Sie Kinder-Nachrichten.
  • Sich nicht selbst unter Druck setzen
    Bleiben Sie locker, falls ein Tag einmal nicht so gut läuft. Alle müssen erst lernen, mit dieser Situation umzugehen. Und: Haben Sie die Muße, die gemeinsame Zeit auch etwas zu genießen.