Hausaufgaben – Lust oder Frust?
Lehrerin Dorothee hat Tipps für stressfreie Hausaufgaben. (Foto: Dorothee May; Schulranzen: Scout)

Hausaufgaben – Lust oder Frust?

Meine 5-jährige Tochter kommt im September in die Schule und freut sich riesig darauf. Wenn ich sie frage, worauf sie sich besonders freut, antwortet sie stets: „Auf die Hausaufgaben“. Das finde ich zwar super – aber es wundert mich auch. Deshalb, weil ich selbst als Lehrerin von kaum einem Schüler höre, dem Hausaufgaben in besonderem Maße gefallen. Ganz im Gegenteil: Der Jubel in der Klasse ist groß, wenn es einmal keine Hausaufgaben gibt.

Hausaufgaben sind die Aufgaben des Kindes. Bevor der Frust kommt, darf aber natürlich geholfen werden – von den Eltern oder, wenn verfügbar, auch von älteren Geschwistern.

Gerade als Lehrerin frage ich mich nun: Woran liegt es, dass sich Vorschulkinder auf die Hausaufgaben freuen, diese Begeisterung dann aber in der Schule schnell wieder abflacht? Bei meinen älteren beiden Kindern konnte ich dieses Phänomen auch schon beobachten. Während meine große Tochter immerhin das erste halbe Jahr nie über die häuslichen Pflichten jammerte, flachte bei meinem Sohn die Freude schon nach ein paar Wochen ab. Klar, das ist auch eine Typsache – meine Tochter erledigte die Dinge ein Stück weit auch für die Lehrerin. Meinem Sohn wiederum war das ziemlich egal, wenn er mal wieder lange am Schreibtisch saß. Anfangs ist die Schule neu und aufregend, auch die Hausaufgaben werden so empfunden. Irgendwann schleicht sich Routine ein, auch Überdruss, Vorlieben für und vielleicht auch Abneigung gegen bestimmte Fächer – und entsprechend lässt die Begeisterung dann nach. Aber: Das muss nicht sein.

Meine Checkliste für gute Hausaufgaben-Zeit – mit Tipps an die Eltern:

Über den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben kann man geteilter Meinung sein. Ich finde die häuslichen Übungen aus Lehrersicht schon wichtig, sie sollten allerdings gerade in der Grundschule anschaulich gestaltet sein.

  • Individualität beachten
    Achten Sie auf den Rhythmus Ihres Kindes: Manche Kinder wollen sofort nach der Schule Hausaufgaben machen, andere spielen zuerst und erledigen dann ihre Pflichten.
  • Pausen einplanen
    Planen Sie Pausen mit ein! Für manche Kinder ist es gut, einen Wecker auf 10 Minuten zu stellen. Diese 10 Minuten müssen voll konzentriert gearbeitet werden, dann folgen 5 Minuten Pause.
  • Feedback geben
    Wenn Sie merken, dass sich Ihr Kind überhaupt nicht mehr konzentrieren kann und es schon eine sehr lange Zeit am Tisch sitzt, scheuen Sie sich nicht, ins Hausaufgabenheft eine Notiz zu machen. Auch als Lehrer schätzt man manchmal die benötigte Zeit falsch ein.
  • Machen lassen
    Hausaufgaben sind Arbeiten des Kindes! Seien Sie jederzeit ansprechbar für Ihr Kind, geben eventuell Hilfestellungen, erledigen aber nicht die Hausaufgaben des Kindes!
  • Belohnen statt bestrafen
    Falls das Kind gar nicht Hausaufgaben machen will und es immer zu Problemen kommt, arbeiten Sie mit Belohnungssystemen. Bestrafungen (kein Handy, Fernsehen, etc…) sind hier fehl am Platz. Planen Sie am Wochenende lieber eine schöne Unternehmung ein, wenn die Hausaufgaben eine Woche gut geklappt haben!

Bei all diesen Tipps ist mir aber wichtig: Bleiben Sie bei Ihrem Kind! Jedes Kind ist anders. Nur weil die Freundin schneller fertig ist, muss das bei dem eigenen Kind noch lange nicht so sein. Und schauen Sie nach den Bedürfnissen des Kindes. Meine eigenen Kinder machen zum Beispiel direkt nach dem Essen Hausaufgaben. Ich probierte auch einmal, erst spielen zu lassen. Das hat bei uns gar nicht geklappt, weil sich mein Sohn nicht vom Spielen losreißen konnte. Aber ich weiß, dass manche Kinder diese kleine Auszeit nach der Schule brauchen.

Eltern unterschätzen oft, was Schulkinder leisten müssen

Für einen Erstklässler ist es sehr anstrengend, sich bis 11.20 Uhr ständig zu konzentrieren. Ein Schulvormittag enthält viele unterschiedliche Eindrücke, vielleicht gab es Streit in der Pause. All das muss das Kind erst einmal verarbeiten. Deshalb ist es so wichtig: Lassen Sie Ihr Kind nach der Schule erzählen. Diese Zeit kommt nie mehr wieder. Und warum also verpufft die Freude auf die Hausaufgaben mit der Zeit? Meiner Meinung nach ist das ganz normal. Irgendwann stellen die Kinder fest, dass es anstrengend ist in die Schule zu gehen und jeden Tag Hausaufgaben zu machen. Gehen Sie jeden Tag voller Freude und lächelnd auf die Arbeit? Und genauso geht es den Kindern. Nicht jeder Tag ist gleich, und deshalb machen die Kinder mal weniger gerne und dann auch wieder gerne Hausaufgaben. Nehmen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes ernst und dann klappt auch die Sache mit der Hausaufgabe – meistens jedenfalls.