Handwerker und Fluchtverhalten
Der Heizlüfter soll uns vor der Kälte retten. Die Reisetasche kann das sicher deutlich besser.

Handwerker und Fluchtverhalten

Always busy – Notizen einer Eventmanagerin, Teil 4: Büroarbeit lässt mich kalt

Darf man in einem Blog über das Chaos eines Eventplaners auch so richtig vom Leder ziehen? Und wenn ja, auch über die Widrigkeiten des täglichen Lebens? Ich bin mal mutig und hau rein.

Handwerker. Mein Herz schlägt für Handwerker. Ehrlich. Ohne Handwerker würden wir noch in Höhlen leben. Das steht fest. Aber wenn das alles so weiter geht, dann leben wir demnächst wieder in Höhlen. In unserem Büro existiert eine Heizung, die aus dem letzten Jahrtausend stammt. Seit drei Jahren hinkt sie ihrer Zeit hinterher. Sie heizt im Sommer und ab Oktober fällt sie in den Winterschlaf.

Der dazugehörige Handwerker kam im August, als draußen 35 Grad gemessen wurden und die Heizung das Ganze auf 45 Grad hoch jagte. Er beurteilte die Situation fachlich korrekt mit: „Ui, das ist jetzt aber warm!“  Verschwand und ward nie wieder gesehen. Fast zeitgleich kam der Dachfensterbauer und baute exakt am Tag des Gewitters neue Dachfenster ein. Woraufhin der Maler kam und meinte: „Das ist jetzt aber arg.“ Zwei Wochen vorher regnete es mal kurz Maden aus einer Deckenleuchte, weil der Marder, welcher sich im Spitzboden eingenistet hat – was ihm der Dachdecker erst mit seinen Marderschutzmaßnahmen ermöglichte – seine Brotzeitmaus vergammeln ließ. Der Elektriker mitsamt dem Trockenbauer fand das eklig und verschwand. Fürs Protokoll: Ich fände es auch toller, wenn es Geld oder meinetwegen auch Männer aus Deckenleuchten regnen würde. Wir organisieren außerdem keine Outdoor-Überlebensevents mit Maden-Barbecues. Und wenn, dann nicht in unserem Büro.

Unsere täglichen Beschwerden konterte der Vermieter mit: „Ich stehe dazu: Die Heizung ist kaputt!“ Löblich, aber nicht zielführend. Der Heizungsmensch fühlte sich missverstanden und wollte das Problem mittels Klopfzeichen an den Heizkörpern lösen. Der Elektriker und sein Freund, der Trockenbauer, kamen, als wir ihnen glaubhaft versichern konnten, dass alle Maden in unserem Staubsauger sind, den wir hermetisch mit Panzerband zugeklebt haben. Sollte jemand mal einen Staubsauger über München kreisen sehen, dann wurden aus den Maden Fliegen, die nun ihr eigenes Raumschiff durch die Weiten des Alls steuern. Die Dachfenster waren eine Fehlkonstruktion und werden im Moment repariert (es regnet in Strömen). Der Maler war schon zweimal da und darf also nochmals kommen. Die Heizung wird abgestellt und durch Fernwärme erneuert, die aber laut göttlichem Gemeindebeschluss erst Ende November bereitgestellt wird.

Was aber zur Freude aller funktioniert, sind unsere zwei Kaffeevollautomaten und die fünf sündhaft teuren Design-Heizlüfter. So können wir täglich mit allen Handwerkern ein Happening im Kreis der Heizlüfter abhalten. Die Stromindustrie wird es uns mit einer irrwitzigen Rechnung danken. Die Handwerker lieben unseren Kaffee. Sie verstehen halt was von Qualität und Handwerk. Könnten die Handwerker diese Liebe vielleicht auch auf ihre Arbeit ausdehnen? Wenn ich zwischen Kaffeekochen und Heizlüfterherumschubsen dazu komme, dann frag ich sie mal. Die Handwerker. Vielleicht pack ich aber auch einfach mal meine Tasche und verreise bis auf weiteres.