Hände weg von meiner Maniküre!
Manicure: Windrose

Hände weg von meiner Maniküre!

Eine Maniküre ist eine ganz persönliche Angelegenheit. Oder?

Es gibt Dinge im Haushalt, die sind von unzweifelhafter Privatheit. Zahnbürsten zum Beispiel. Handys. Mütterliche Geldbörsen, hoffentlich. Und … tja. Irgendwie ist alles andere, was eigentlich mir gehört, für alle zugänglich. Aus meinem Kleiderschrank bedient sich die 15-jährige Tochter (was ja genau genommen so eine Art Kompliment für mich beziehungsweise meinen Klamottengeschmack ist). Mein teures japanisches Kochmesser, ein Geschenk meines Mannes zu meinem letzten Geburtstag, wird mit Hingabe von ihm selbst benutzt. Wenigstens überlässt er mir die zum Werterhalt dringend erforderliche händische Reinigung. Und mein kleiner Sohn vergreift sich immer mal wieder an unbeaufsichtigten Schminkstiften, die ich ihm dann aus dem Mäppchen fischen darf.

Offensichtlich eignen sich Schminkstifte auch ganz hervorragend für Malübungen im Schulheft. Schüleretui: Scout

Ein weiteres Objekt der Begierde ist das Nageletui. Mein Nageletui, um genau zu sein. Nicht nur, dass sich jeder mit meiner Feile die Hand- und Fuß(!)nägel feilt, meine Pinzette für alles benutzt, was die kleinen und großen Grobmotoriker nicht selbst greifen können, und mit meinen Scheren teilweise längst überfällige Nagelkürzungen vornimmt. So intensiv, wie meine Mitbewohner die teuren Instrumente benutzen, kann ich gar nicht desinfizieren. Meine Vorträge, dass das eine äußerst unhygienische Angewohnheit ist, verhallen nicht ungehört. Sie werden verspottet – mit dem Hinweis, dass ein reger Erregeraustausch im Rahmen des familiären Zusammenlebens dem Immunsystem förderlich sei (krude Gattentheorie).

Das weit größere Problem aber ist die Zweckentfremdung. Die kleinen gebogenen Scheren eignen sich schließlich hervorragend, um Rundungen aus Papier oder Pappe zu schneiden (danke, mein Sohn) oder Kabel abzuisolieren. (An den Gatten: Leugnen ist zwecklos. Ich hab’s gesehen.) So lange, bis sie nicht mehr scharf sind. Und das ist jetzt. Just in dem Moment, in dem ich nach Wochen endlich einmal Zeit für eine Maniküre hätte. Stattdessen muss ich leicht angesäuert diesen Text hier schreiben – verbunden mit einer exakten Bestellung: Eines von diesen hier dürft ihr mir schenken. Und zwar nicht erst zum Geburtstag.

Mit dem alten könnt ihr dann machen, was ihr schon immer macht. Viel Spaß damit.