Geschenkte Liebe

Geschenkte Liebe

Richtig Schenken ist eine Kunst, die viel mehr kostet als Zeit und Geld.

Weihnachten kann einen so richtig unter Druck setzen. Schließlich ist ein Geschenk mehr als irgendwas, das man für kleines oder größeres Geld irgendwo kauft und einpackt, um es dann wieder herzugeben. Ein Geschenk soll all das, was man für den zu Beglückenden empfindet, glaubhaft ausdrücken. Liebe. Zuneigung. Wertschätzung. Oder zumindest die Mühe, die man sich gemacht hat, um den entsprechenden Anschein zu erwecken.

Natürlich habe ich mir auch diesmal Anfang Januar vorgenommen, jede scheinbar achtlos fallen gelassene Bemerkung, jeden nur so dahingesagten Wunsch meiner Lieben und Liebsten umgehend zu notieren, ins Gehirn einzubrennen und das Entsprechende sofort zu besorgen. Ist mir auch gelungen. Sogar in zwei Fällen. Nur leider hat Max das Entdeckerspielzeug dann auch gleich entdeckt. Obwohl ich es im Bügelzimmer versteckt hatte, das normalerweise außer mir kein Mensch je betritt. Und als Stefans Rasierwasser leer war, konnte ich ihn ja schlecht mit Pickeln auf Dienstreise schicken.

Was also macht ein wirklich, wirklich tolles Weihnachtsgeschenk aus? Es verursacht Freude, weil es nicht unnütz und überflüssig ist, sondern einen echten Bedarf erfüllt. Man sollte daher etwas schenken, was tatsächlich gebraucht wird. Max braucht unbedingt mehr Bewegung. Und manchmal auch mehr Selbstvertrauen. Also kriegt er … eine Sporttasche und eine Anmeldung im Judoverein. Nina will auf die Seychellen. Das kann sie sich natürlich in die Haare schmieren. Deshalb kriegt sie ne schöne Haarkur. Verpackt in ein hübsches Kosmetikköfferchen. Falls das mit dem Urlaub dann doch noch irgendwann klappen sollte, ist sie schon mal gut ausgestattet.

Und Stefans Mutter … die bekommt zu Weihnachten ja immer Schmuck. Von Stefans Vater. Dabei blickt sie bestimmt gar nicht mehr durch vor lauter Preziosen. Höchste Zeit für ein bisschen Struktur. Also ein Schmuckkoffer. Mit ganz vielen Fächern. Dann hat zumindest Stefans Vater auch die nächsten Jahre keine Geschenkeprobleme.

Stefan hingegen braucht sehr dringend Geld. Er hat ja schließlich nicht nur eine anspruchsvolle Frau. Sondern auch einen Haufen Verwandte, die anständige Weihnachtsgeschenke erwarten. Dem Ehemann Bares schenken ist natürlich völlig indiskutabel. Das soll gefälligst sein Chef erledigen. Aber etwas, um das sauer Verdiente reinzutun, aufzubewahren, zu transportieren, vor unbefugtem Zugriff zu schützen … und zu gegebener Zeit sinnvoll auszugeben – das wär’s doch, oder?