Fürs Zuhören muss immer Zeit sein
Abwimmeln gilt nicht: Man muss zwischendurch auch mal was liegen lassen, um zuhören zu können.

Fürs Zuhören muss immer Zeit sein

Als Vater zweier Töchter im Alter von neun und zwölf Jahren weiß ich, wie schwierig es manchmal ist, nicht nur den richtigen Ton im Umgang mit seinen Kindern zu finden, sondern auch das richtige Maß an Aufmerksamkeit zu geben, wenn es erforderlich ist. Das Einfachste (und gleichzeitig auch manchmal das Schwerste) dabei ist: einfach zuhören.

Zuhören – eine echte Herausforderung

Bestimmt kennt jeder von uns Situationen im Alltag, die es nicht leicht machen, innerhalb der Familie genau diese Art von Aufmerksamkeit zu geben. In einer Zeit, die wir als Kommunikationszeitalter bezeichnen, meinen wir mit Kommunizieren ja oft: reden, sich mitteilen. Das Zuhören hingegen wird oft unterschätzt – dabei ist es mindestens genauso wichtig wie sprechen oder kuscheln.

Mit dem Kopf noch bei der Arbeit oder damit beschäftigt, den Haushalt zu meistern, kommt es öfter vor, dass meine Kleine mich wie aus dem Nichts mit Fragen oder Erlebtem überschüttet. „Papa weißt du …!“  Und dann geht es los. Zehn Minuten später weiß ich dann nicht mehr genau, was sie mir alles erzählt hat – schließlich musste ich in der Zwischenzeit die Spülmaschine füllen, das Essen überwachen und den Kühlschrank einräumen. Manchmal frag ich dann zwar noch nach, aber oft nicke ich auch nur verständnisvoll und gebe vor, alles verstanden zu haben. (Meist mit schlechten Gewissen.)

Ohren auf … mit ganzem Herzen

Natürlich versuche ich zu vermeiden, meine Kinder „abzuwimmeln“, wenn sie etwas erzählen möchten – schließlich weiß ich, wie wichtig es ihnen ist, sich mitzuteilen, ernstgenommen zu werden und Verständnis und Empathie zu erfahren. Denn nur so kann ich mir auch sicher sein, dass ich in Zukunft auch noch alles (oder zumindest fast alles) erzählt bekomme. Das ist wichtig für ihr Selbstvertrauen und Selbstverständnis als Mensch, denke ich. Aber Zuhören als Teil einer Multitasking-Aufgabe, das funktioniert nun eben auch nicht.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Dinge künftig öfter mal liegen zu lassen – und mir die doch meist recht kurze Zeit zu nehmen für das, was dem Kind gerade auf der Seele brennt. Oftmals sind es aus erwachsener Sicht ja keine großen Angelegenheiten – aber für Kinder wird die sprichwörtliche Mücke manchmal zum Elefanten, und sie brauchen dafür unsere Zeit und unser Verständnis. Also: Die Wäsche kann warten, die Wohnung muss auch nicht immer wie geleckt aussehen – und das Handy sollte sowieso mal wieder ausgeschaltet werden. Und wenn es in dem Moment, wo das Kind unbedingt etwas loswerden will, eben gar nicht passt (manchmal kocht ja wirklich gerade die Milch über), dann planen wir die Zuhör-Zeit eben für später fest ein.

Denn richtig Zuhören lohnt sich für alle. Nicht nur, weil wir dann mit einem freudestrahlendem Lächeln auseinandergehen, sondern weil ich dann auch zum Beispiel weiß, dass ihre beste Freundin Läuse hat (und mich nicht wundern muss, wenn uns allen drei Tage später der Kopf juckt …). Aber das Wichtigste: Meine Kleine fühlt sich ernst genommen.

Lösungen sind nicht wichtig

Spätestens abends, kurz vorm Zubettgehen, wenn ich mir nochmals alles in Ruhe mit voller Aufmerksamkeit erzählen lasse und so der Tag einen guten Abschluss findet, finde ich es wichtig, das Kind einfach reden zu lassen. Es ist auch für uns Erwachsene eine gute Übung, nicht alles zu kommentieren oder gleich eine Lösung finden zu wollen – und stattdessen auch einfach mal nichts zu sagen und unsere Kleinen nur in den Arm zu nehmen. Das gute Gefühl, das die Kinder dabei haben, lässt nicht nur sie gut schlafen.

Und morgen geht dann alles wieder von vorne los …