Flugreise mit Kleinkindern und andere Katastrophen
Auch Mika gefällt das Reisegepäck von Hardware, das es in vielen anderen Farben gibt.

Flugreise mit Kleinkindern und andere Katastrophen

„Was soll ich nur meinem Mann zu Weihnachten schenken?“, hatte ich mich gefragt und dann kurzerhand entschieden: superbillige Flüge nach Irland! Da wollten wir immer schon mal hin, warum das also nicht endlich mal machen? Elli ist gerade erst ein Jahr alt geworden, die kann noch auf dem Schoß sitzen. Mika hingegen brauchte einen Sitz – auf dem ein Zweijähriger dann auch sitzen bleiben soll. Ha-ha!

Leonies Trolley ist von Hardware, heißt Profile Plus – und ist in vielen Farben zu haben.

Wie auch immer: Die Sache war beschlossen – wir haben uns einen Mietwagen reserviert und wollten einmal querbeet durch Irland. Außerdem war geplant, meine Freundin zu besuchen, die ich seit drei Jahren nicht mehr gesehen hatte. Und so wurden im Vorfeld Airbnb-Buden gebucht, Routen grob geplant, bis ich dann die Koffer packte. Zu empfehlen ist es, für jeden nur vier Outfits einzupacken und dann vor Ort zu waschen. Für zwei Wochen und vier Personen hätte ich sonst wohl eher eine Packkrise erlebt. Die hatte ich allerdings auch fast so. Denn wenn man geizig ist und naiv noch dazu, bezahlt man nur für einen einzucheckenden Koffer und denkt sich: Das packen wir locker auch mit vier Handgepäckstücken. Also seine Kinder + Handgepäck + Buggy + sich selbst irgendwie durch den Flughafen transportieren und dabei noch versuchen, möglichst souverän zu wirken. Ja, okay, das hatten wir recht schnell aufgegeben.

Die Leute am Security-Schalter waren dann schon recht verzaubert vom bockenden Kleinkind auf dem Boden und der nörgelnden Schwester, die einfach nur schlafen wollte. Schuhe aus, Schuhe an, ach, den Gürtel hab ich vergessen. Wie, ich soll diesen Koffer einmal komplett auspacken? Mit meinem Baby und der Winterjacke im Arm?

Jedenfalls kamen wir als Letzte durch den Security-Check und verschwitzt zum Boarding an, nur um zu sehen: Boarding hat noch nicht mal begonnen. Also schmiss Mika fröhlich seine hochgesunden, zuckerfreien Müsli-Sternchen durch die Halle, und ich hatte alle Mühe damit, meinen Mann vor einem Tobsuchtsanfall zu bewahren und nicht selbst tränenüberströmt alles abzublasen und zurück nach Hause zu fahren.

In Irland ist es bei jedem Wetter schön – besonders am Meer.

Alle waren allerdings super behilflich und sehr, sehr kinderfreundlich. Wir waren total begeistert. Durch meine lockere, aufmunternde Art war die Stimmung außerdem schnell wieder aufgehellt und wir erlebten einen recht angenehmen Flug nach Dublin. Zwei Stunden sind für Kinder auch echt gut auszuhalten. Ja, da wird halt mal ne Serie auf dem Handy geguckt, das verhasste Lieblingsbuch zum 386. Mal gelesen – und Süßigkeiten gibt es ja auch.

Wir kamen also heil in Irland an und es war… Winter! Die Straßen gesperrt, der Verkehr lahmgelegt, keiner musste zur Arbeit, in den Supermärkten gab es kein Brot mehr … Irland kennt keinen Schnee. Und keine Winterreifen. Ja, genau. Wir fuhren in einem Jeep mit Sommerreifen und konnten manche Straßen nicht befahren, weil 3 Zentimeter Schneematsch drauf lag. Abenteuer Irland!

Wer es ganz eng sieht, sollte übrigens seine eigenen Kindersitze mitbringen. Reboarder? Fehlanzeige! Qualität? So lala. Unsere zwei Sitze waren in Ordnung. Im letzten Urlaub hätte ich mein Gerade-so-Kleinkind am liebsten nicht im Auto mitgenommen. Man weiß eben nie genau, wo man seine Kinder reinsetzen muss, wenn man das Angebot „Kindersitz“ wahrnimmt und auch noch heftig dafür bezahlt. Dabei kann man Sitze mal mehr, mal weniger teuer beim Check-in abgeben und hat dann seine Ruhe.

Wir hatten ganz grob unsere Tour geplant, wollten aber ganz cool und lässig, ja, super spontan sein. Ist natürlich super gut möglich, wenn man schon alle Übernachtungen gebucht hat … Letztendlich haben wir die erste Woche ziemlich Programm gemacht – wie man das halt so tut ohne Kinder. Ach, stimmt, wir haben ja unsere zwei Schätze dabei. Bei Wind und Wetter waren wir unterwegs, es war tierisch kalt, wir liefen viel und fielen am Abend immer total k.o. ins Bett.

Als wir ganz im Norden ankamen, wo wir auch meine Freundin und ihre Familie treffen wollten, haben wir nach einigen Tagen der Entschleunigung einen Entschluss gefasst. Wir stornierten die ganzen Übernachtungen im Westen, verlängerten unseren Aufenthalt in der gemieteten Wohnung und beschlossen, einfach irgendwann nochmal für eine West-Irland-Tour zu kommen. So verbrachten wir viel Zeit zu viert und auch mit und bei der Familie von Rachel, die uns sofort liebevoll in ihren Alltag aufgenommen hat.

Irland ist ein wundervolles Land (selbst im Winter) mit wundervollen Menschen, die unglaublich herzlich, kinder- und gastfreundlich sind. Wir nahmen uns endlich mal die Zeit, gemeinsam durch Städtchen zu schlendern, Schaufenster anzugucken, wenn nötig auch mal fünf Minuten mehr, denn im Laden stand ein Feuerwehrauto. Wir verharrten auch auf dem Spielplatz einfach mal ein wenig länger, selbst wenn es regnete, denn die Kinder hatten Spaß. Wir quatschten mit völlig Fremden, die begeistert waren von den Kindern und der Tatsache, dass wir für einen Urlaub herkamen und das auch noch im tiefsten Winter. Wir nahmen uns einfach die Zeit, ohne zwingend produktiv zu sein, sondern einfach nur mal zu Sein. Es war also ein intensiver Urlaub, mit vielen Emotionen und auch heilsam. Denn der schnelle, geschäftige Alltag hat seine Spuren hinterlassen im Zusammensein als Paar und Familie mit den Kindern. Wir können also wirklich nur empfehlen, mal einfach so mit kleinen Kindern auf Reisen zu gehen. Es kann alles ganz wunderbar sein!

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