Farben sind für alle da!
Kleiner Mann mit eigenem Geschmack: Mika mit seinem pink-roten Marienkäfer-Rucksack.

Farben sind für alle da!

Ein Satz, den ich mindestens einmal die Woche von mir gebe. Aufmunternd, mich erklärend, rechtfertigend, Mika ermutigend, aufklärend. Beweggründe habe ich immer andere. Die meisten sollten nicht nötig sein.

Ich sollte der Oma nicht erklären müssen, dass mein zweijähriger Sohn sich ein pinkes Kleidungsstück ausgesucht hat. Ich sollte der fremden Frau im Supermarkt nicht sagen müssen, dass mein Kind nicht automatisch ein Mädchen ist, nur weil er einen pink-roten Kindergartenrucksack hat. Mein Kind sollte nicht mit Sätzen wie „Das ist eine Mädchenfarbe“ oder „Das ist doch nichts für Jungs“ konfrontiert werden.

Mika liebt „Metterlinge“ und Kleider. Na und?

Das macht mich traurig und wütend – und am liebsten würde ich meine Kinder vor solchen Dingen beschützen. Aber das kann ich nicht. Was ich kann, ist meinen Sohn in seinem Willen und seinen Vorlieben zu bestärken und ihm beizubringen, für sich einzustehen. Sonst wird er es mal schwer haben im Leben.

Zwei Jahre hat er nun mit seiner Mama daheim verbracht. Einer Mama, die kein typisches Mädchen ist. Aber dennoch eine sehr weibliche Frau, die sich gerne zeigt. Dazu gehört auch dann und wann ein Kleid und ab und zu etwas Pinkes.

Soweit nicht schlimm, aber jetzt kommt der Aufschrei. Sagt mein kleiner Süßer, während er mir beim Zurechtmachen für das erste Mama-Papa-Date seit seiner Geburt zusieht, unmissverständlich, was er möchte. „Mika auch Kleid“. Das hatte ich fast erwartet. Es war so schön bunt mit vielen „Metterlingen“ drauf. Meine Antwort fiel kurz und knapp aus: „Das geht nicht, das ist dir leider viel zu groß. Außerdem zieht Mama das jetzt an.“ Ich würde mich hüten, ihm zu verbieten, etwas zu tragen, das vermeintlich Frauen vorbehalten ist. Schotten tragen immerhin auch Röcke, und Absatz-Schuhe wurden früher für Männer entwickelt. Damit wollten sie größer und wichtiger erscheinen.

Was ich damit sagen will, ist, dass es klar ist, dass unsere Kinder uns nacheifern und gerne das tun wollen, was die engsten Bezugspersonen auch tun. Ob das das Küssen auf den Mund ist oder das morgendliche Rasieren am Waschbecken oder das Anziehen eines BHs.

Meinen, wie ich finde, wundervollen Farbenspruch habe ich von einer äußerst schlauen Amerikanerin, meinem damals achtjährigen Host-Child, während ich als Nanny in New York lebte: „There’s no such thing like boys and girls colours!” (Es gibt keine Mädchen- oder Jungenfarben.) Damals hat mich das so berührt, dass ich beinahe Tränen in den Augen hatte. Kein Kind wurde dort für seine ausgewählte – oftmals viel zu bunte, aber doch sehr kreative – Kleidungswahl gehänselt. Nichts war zu ausgeflippt, zu bunt oder zu gewagt. Man durfte einfach sein, wie man war.

Jetzt denken sicher einige, dass ich ihm den Rucksack einfach aufgeschwatzt habe, um „anders“ und „rebellisch“ sein zu können. Aber das stimmt nicht. Den kleineren Baustellen-Rucksack, den Mika vor einem Jahr bekommen hat, hat er natürlich auch gerne getragen, aber eben nicht so euphorisch wie jetzt den Marienkäfer. Und der Bagger auf dem Rucksack, den wir ebenfalls zur Auswahl hatten, war nicht länger als zwei Minuten interessant – das strahlende Pink des anderen hingegen hat gleich sein Herz erobert. „Coooool!“, rief er (ich habe keine Ahnung, seit wann er dieses Wort im Wortschatz hat).

Auch ich habe ab und zu den Gedanken im Kopf: „Das ist jetzt aber sehr mädchenhaft, muss das denn sein?“, aber ich achte sehr darauf, ihn nicht in seinen Interessen zu beeinflussen. Soweit das eben geht.

Ich kaufe jetzt natürlich nicht extra einen rosa Pullover mit Herzchen für Mika – aber wenn er irgendwann mal ein Shirt mit Glitzerapplikation haben will, dann wird er das eben bekommen. Denn wenn mein Baby glücklich ist, dann bin ich es auch.