Erste Hilfe im Rucksack
Das wichtigste Erste-Hilfe-Mittel bei Blessuren kleiner und großer Kinder ist immer noch liebevolle Zuwendung.

Erste Hilfe im Rucksack

Der Frühling kommt und mit ihm die Blessuren. Wenn dein übermütiges Kind mit den Gummistiefeln über Stöcke stolpert, im Garten den Boden küsst und sich beim Wühlen im Blumenbeet oder Sand die Hand aufschürft, weiß man, die „Draußen-Zeit“ geht wieder los.

Wenn wir sonst Kügelchen gegeben und den Kopf gekühlt haben, wenn die Sitzbank oder die Couchlehne „ganz plötzlich“ zu Ende waren, so müssen wir jetzt Schürfwunden und blaue Flecken versorgen und bewundern.

Die Schienbeine sind also immer blau und grün gefärbt … und ich hatte beim letzten Arztbesuch schon Angst, dass sie mir dort das Jugendamt auf den Hals hetzen würden. Allerdings habe ich mir nur ein müdes Lächeln und ein paar Witze eingeholt. Offenbar ist es normal, dass Kleinkinder total blessiert durch die Gegend laufen.

Genauso abgebrüht sind wir mittlerweile auch. Hinfallen, aufstehen, Wunde pusten, Heile-Segen singen, weiterspielen.

Aber mal ganz ehrlich, meist sind die so brutal aussehenden „Wunden“ ja wirklich nur oberflächliches Geplänkel, das nicht mal versorgt werden kann. Was soll ich denn mit einem blauen Flecken anstellen, außer Mika damit vor Papa prahlen zu lassen?! „Guck mal Papa, AUA!“, zeigt der stolze Bub dem interessierten Papa. Es wird gelacht und auf geht’s in die nächste Rauferei mit Hund oder Papa oder unserem Fuhrpark, bestehend aus Dreirad, Laufrad und Bobby Car.

Desinfektionsmittel, Globuli und kleine Trösterchen helfen Mika über den Verletzungs-Schreck hinweg und haben einen festen Platz im Rucksack.

Schürfwunden (und vor einigen Tagen auch mal ein kleiner sogenannter Cut am Augenlid) sollten allerdings desinfiziert werden. Deshalb haben wir bei Unternehmungen auch stets Taschentücher und ein kleines Desinfektionsmittel im Rucksack, denn gerade in „fremder“ Umgebung herrschen doch schon viele Keime, die in die Wunden gelangen können. Außerdem dürfen die leckeren Arnica-Zucker-Kügelchen, ein Quetschie und Kekse nie fehlen, denn das ist neben der Rescue-Salbe, die sich sehr bewährt hat, oft noch das Beste. Die Sache mit den Pflastern haben wir hier persönlich noch gar nicht begonnen. Die werden eh gleich wieder abgezupft und liegen dann überall rum. Dann müssen sie zum Spaß überall hingeklebt werden und die Kinder haben urplötzlich jeden Tag mindestens zwei Auas.

Als unser Trotzkopf seinen Hochstuhl unfreiwillig als Rutsche benutzt hat und die Tischkante dummerweise im Weg stand, entstand der schon erwähnte Cut über dem Auge – und ein Mund, der über und über mit Blut verschmiert war. Als schon geschultes Elternpersonal reagierten wir blitzschnell und untersuchten erst einmal, was genau da im Mund überhaupt vor sich ging. Zähne raus? Zahnfleisch offen?

Letztendlich hatte er sich in die Unterlippe gebissen oder gestoßen und sie war innen ein wenig aufgeplatzt. Sah dramatisch aus, doch nach Kügelchen und Mama-Milch war alles wieder gut. Hätte ich nicht gedacht, aber der Bub ist hart im Nehmen – und sogar das Essen scheint ihm nicht weh zu tun. Und alles, was nach ein paar Tagen noch bleibt, ist eine dicke Lippe.

Draußen auf der Terrasse haben wir wunderbar raues Kopfsteinplaster und Lottes Leine am Baum hängen. Tolle Kombi, sag ich euch. Mit Matschanzug und der Mütze halb im Gesicht wird so was schnell mal übersehen … und die Hände müssen herhalten, um den Sturz auf die Steine abzufangen. Das Sandspielzeug fliegt auch mal unkontrolliert durch die Luft – und ich wundere mich nicht, dass er sich das eine oder andere Mal auch selbst trifft. Männer halt. Im Gras liegt Mikas Rechen – den braucht er, der wird nicht aufgeräumt – auch immer eine nette Stolperfalle. Und wer hat da überhaupt die Schaukel auf Kopfhöhe montiert, sodass man da dagegen läuft?!? Der Garten ist ja auch nicht groß genug …

Was ich damit sagen will, ist, dass man sein Kind nicht vor allem beschützen kann. Die kleinen Verletzungen drinnen und draußen gehören ganz einfach dazu. Gerade im Frühling wird das Spielzeug erst mal wieder ganz neu entdeckt – und da muss man eben auch mit dem ein oder andere Wehwehchen rechnen. Wichtig ist: ruhig bleiben, immer schön „pusten“ … und ein paar Trösterchen in der Tasche haben.