Eltern im Klassenzimmer? Ansichtssache!
Eltern und Lehrer sehen die Dinge oft anders… Dorothee May, Lehrerin und Mutter, kennt das.

Eltern im Klassenzimmer? Ansichtssache!

Über Eltern-Typen und wie sie Lehrern die Arbeit schwer machen. Eine augenzwinkernde Kategorisierung von Grundschullehrerin und Mutter Dorothee May.

Eines deutlich ausgesprochen vorneweg: ja, ich bin Lehrerin. Aber ich bin auch dreifache Mutter und kenne somit beide Seiten. Eltern von Schülern mögen es mir verzeihen, aber heute habe ich mal eine (zugegebenermaßen etwas überspitzte) Liste verschiedener Elterntypen zusammengestellt. Und vielleicht erkennen einige von Ihnen sich oder andere darin wieder …

Die „Stalker“

Auch als Lehrerin hat man ein Privatleben und geht darin sogar ab und zu zum Einkaufen. Hin und wieder werde ich dabei von Schüler-Eltern oder deren Verwandten und Bekannten erkannt, da mein Dienstort nicht weit von meinem Wohnort entfernt ist. Es passiert nicht selten, dass ich dann am nächsten Tag von meinen Schülern auf meine diversen getätigten Einkäufe angesprochen werde. So nach dem Motto: „Frau M., meine Oma hat Sie gestern im Supermarkt gesehen. Da waren aber nicht so viele gesunde Sachen in Ihrem Einkaufswagen“. Hmmm, okay… ich werde in Zukunft mehr darauf achten – versprochen!

Die Helikopter-Eltern

Dieser Typ macht einem das Leben oftmals schwer. Rufen sie doch vor jedem Wandertag morgens an, ob dieser auch tatsächlich stattfindet. Warum denn auch nicht? Tja, weil ein paar Wolken am Himmel sind und die Eltern somit nicht wissen, welches Schuhwerk geeignet ist. Außerdem sollte ich doch noch so einige Instruktionen und Besonderheiten ihres Sprösslings wissen. Wenn das Kind beispielsweise den Mund auf bestimmte Art und Weise verzieht, dann hat das Kind Durst. (Okay, gut zu wissen. Zwar habe ich noch 25 andere Kinder zu betreuen und glaube nicht, dass ich beim Wandern jedem Kind jederzeit ausgiebig ins Gesicht schauen kann …. Auch ist es im Normalfall so, dass ein Kind in der dritten Klasse schon für sich selbst sprechen kann.) Solche Eltern stehen auch immer wieder wie selbstverständlich um 7.58 Uhr in der Klassenzimmertür und möchten darüber reden, warum ich heute besondere Aufmerksamkeit auf ihren Spross richten soll. Gerne werden die Kinder solcher Eltern auch abgeholt – an der Klassenzimmertür, versteht sich – und die Eltern wollen sich dann von mir gleich an Ort und Stelle die Hausaufgaben erklären lassen.

Der Dauernörgler

Ihm kann man es nie recht machen. Prinzipiell. An einem Tag ist die Hausaufgabe zu viel, weil das Kind ja nachmittags noch Termine hat. An einem anderen Tag dagegen gab ich viel zu wenig auf. Das Kind hätte ja Zeit gehabt. Gut, in meinem nächsten Leben mache ich noch eine Weiterbildung zur Hellseherin. Außerdem sind die Probearbeiten grundsätzlich entweder zu schwierig oder aber zu leicht und ohne Niveau erstellt. Auch ob ich mit meiner Klasse in ein Theaterstück gehe oder ein Museum besuche – Anlass zur Kritik findet sich immer.

Der Experte

Auch dieser Typ sitzt mir am Elternsprechtag regelmäßig gegenüber. Egal, dass ich Pädagogik studiert habe und auch fächermäßig über eine gewisse Ausbildung verfüge – diese Eltern wissen es immer besser. Sie diskutieren über jede Frage und mögliche Antwort einer Probearbeit. Auch wollen sie immer das letzte Wort haben. Vom Elternsprechtag verabschieden sie sich deshalb etwa so: „Ich hätte darüber gerne noch weiter mit Ihnen gesprochen, weil ich immer noch denke, dass ich recht habe. Morgen gebe ich meinem Kind eine Ausarbeitung darüber mit in die Schule. Dann können Sie ja mal drüber nachdenken, Frau M.!“ (Obwohl ich mich darüber sehr freuen würde und jedes Mal erneut gespannt bin, habe ich leider bis heute noch nie einen solchen Text bekommen.)

Der Oberfeldwebel

Er kommt schon mit sehr strengem Blick zur Tür herein und gibt mit allem, was er sagt und tut zu verstehen: Sie sind sowieso viel zu lasch, so kann das nichts werden mit der Erziehung meines Kindes.

Der Mir-doch-egal-Typ

Diesen Elterntyp trifft man kaum auf einer schulischen Veranstaltung, weder zum Elternsprechtag noch zum Schulfest beehren sie uns mit ihrer Anwesenheit. Selbst wenn man diese Eltern dann anruft, bekommt man zu hören: „Sie machen das schon. Ich habe vollstes Vertrauen in Sie.“ Sie überlassen die Erziehung vollständig der Schule. Außerdem ignorieren sie Hinweise der Schule, dass irgendetwas nicht so gut läuft. Falls man dann doch das Glück hat, jemanden zu erreichen, können sie es nicht glauben, dass ich als Lehrerin ihren Sohn beim Rauchen erwischt habe. (Ich habe es zwar mit meinen eigenen Augen gesehen, trotzdem beschwören die Eltern, dass ihr Liebling das nie tun würde …).

Meine kleine Aufstellung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber Hand aufs Herz, findet man nicht in beinahe jeder Klasse Eltern aus einer dieser Kategorien? Nur schade, dass gerade diese Eltern oft nicht erkennen, dass genau sie zu einer der besagten Gruppen gehören. (Und ja, genau: Diese Eltern sind die Alleranstrengendsten …)

Eins möchte ich dazu aber noch abschließend sagen: Die meisten Eltern, die ich kennenlernen durfte, sind nett, höflich und respektvoll – und dafür möchte ich mich an dieser Stelle auch einmal bedanken.