Der Upgrade-Trick mit dem Gepäck
Rechts die Visitenkarte des Hotels. Links die des Gastes.

Der Upgrade-Trick mit dem Gepäck

Always busy – Notizen einer Eventmanagerin, Teil 1: Herzlich willkommen!

Als Eventmanagerin hat man den Ruf, im weißen Cabrio herumzufahren, Champagner zu trinken und in einem gläsernen Loft zu residieren. So ganz stimmt das nicht. Mein Cabrio ist schwarz und Champagner gibt es nur, wenn das Event vorbei und als Erfolg zu werten ist. Was man aber grundsätzlich braucht, ist Fantasie und Durchsetzungsvermögen. Und natürlich Kontakte überall und ohne Ende. Wichtig wären weiterhin noch Empathie, Flexibilität und ein relativ schwäbisches Verhältnis zu Zahlen. Dazu Koffer und Taschen in allen Größen, eine noch größere Klappe und doppelseitiges Klebeband. Mit letzterem kann man viel retten. Das Ego muss es ertragen, dass man sich wahlweise zum Affen macht oder als Furie, Depp vom Dienst oder Diplomat auftritt. Was halt aktuell zum Ziel führt. Ein gesundes Halbwissen über ungefähr alles sowie keinerlei Berührungsängste sind auch hilfreich. Es geht um das Event und um denjenigen, der das Event in Auftrag gibt. Wenn auf der Bühne also die Kuh fliegt und ein Highlight das andere jagt, liegt der professionelle Eventmanager meist recht zerzaust hinter den Kulissen. Damit wäre dann die Sache mit dem Champagner auch erklärt.

Der große Vorteil in diesem Job ist es, dass man die Welt sieht. Der große Nachteil: Man sieht die Welt. Das ist jetzt fast schon philosophisch. Man wünscht sich, dass man irgend ein Land bereist, von dem man Vorstellungen und Träume hat. Dann sucht man sich einen Kunden, der genau dort ein Event organisiert haben möchte. Man reist dahin und stellt fest, dass der Traum jetzt nicht direkt zum Albtraum wird, aber bei Licht besehen dann doch etwas ernüchternd ist. Das Geld verdient sich die Eventmanagerin dann damit, dass der Traum wahr wird. Wobei wir wieder bei oben genannten Eigenschaften wären.

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Aktuell bin ich auf einer griechischen Insel. Der Plan war, dort mal Urlaub zu machen. Aber das Zimmer gefiel mir nicht (eine weitere Eigenschaft der Eventmanagerin: Aufgrund ihres Berufs ist sie anspruchsvoll und eigentlich fürs Alltagshotelleben komplett versaut). Also gab ich mich zu erkennen. Jetzt habe ich eine Suite mit eigenem Pool, inklusive griechischem Schaumwein, vor dem ich an dieser Stelle die Welt warnen möchte. Der wird bestimmt von der Zahnarzt-Liga gesponsort, soviel Zucker ist da drin. Es muss also kein Neid aufkommen, denn so was gibt es nicht umsonst, was ich natürlich kurzfristig verdrängt habe. Gestern war ich vier Stunden mit dem Hoteldirektor unterwegs. Ich glaube, dass ich das Resort mittlerweile besser kenne als der Direktor selbst. Am Ende war ich fast bereit, wieder in mein kleines Zimmerchen zu ziehen. Denn der Mehrwert rechnet sich nicht wirklich. An Urlaub ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken. Nix mit Schlabberlook und „was schert mich meine Sturmfrisur“. Und wohin ich gehe, bewirft man mich fast schon mit griechischem Schaumwein.

Dabei hätte man ein Upgrade auch einfacher haben können. Der Trick ist folgender: Man investiert in schöne Koffer und Taschen. Das reicht schon mal aus. Eine kleine Serie, die zusammenpasst und stylish ist. Wie die hier zum Beispiel. Jeder Portier erkennt so etwas und jeder Rezeptionist auch. Manchmal gibt es sogar schon ein kostenloses Upgrade beim Flug, wenn man mit vernünftigem Gepäck ankommt. Wenn man dann noch anstelle des Hotelbusses vom Flughafen ein Taxi nimmt und vor dem Pulk ankommt, dann ist eigentlich ein Upgrade oder wenigstens ein Zimmer weit oben und weit weg vom Aufzug schon gesetzt. Es gibt noch ein paar mehr Kniffe, aber dazu später mehr. Für heute nur soviel: Investieren Sie lieber in Koffer als in griechischen Schaumwein.