Der Duft der großen weiten Welt

Der Duft der großen weiten Welt

Was wirklich hilft, wenn einem das Essen vom Vortag stinkt

Die beste Mahlzeit ist die, die man nicht selbst kochen muss. Wer tagtäglich 3–4 hungrige Mäuler zu stopfen hat (das eigene mit eingeschlossen), der weiß, wovon ich rede. Zum Glück weiß das auch mein – mich offensichtlich auch nach Jahren unerbittlicher Sozialisierung noch liebender – Gatte. Und hat mich gestern Abend zum Italiener eingeladen. Eigentlich wollte ich ganz ladylike nur einen Salat bestellen, aber diese rohen Blätter zur Nacht vergiften ja bloß die Leber und produzieren Fuselalkohole. Sagt zumindest mein Ernährungslehrer.

Also hab ich mir vom feurigen Alberto Spaghetti a la Mediterrane aufschwatzen lassen. War ja auch echt lecker, mit Shrimps in einer wirklich nur ganz leichten Sahnesoße. Sehr fein! Hab mir gleich das Rezept geben lassen. Nachts bin ich dann an einem unerträglich schwefelartigen Geruch aufgewacht und musste mir sofort die Zähne putzen. Drei Mal.

Hab dann morgens noch mal auf Albertos Zettel nachgeschaut: „4–5 Knoblauchzehen!“ Vielleicht sogar pro Teller! Also dann vor dem Frühstück das volle Programm, inklusive Mundwasser, Zahnseide und Ölziehen – alte ayurvedische Tradition, soll das ganze Gift aus dem Körper ziehen. Aber gegen den Knoblauch keine Chance. Vermutlich zu gesund. Zum Frühstück dann für mich bitte nur einen halben Liter Milch und einen kompletten Bund Petersilie. Das Chlorophyll hat allerdings auch versagt. Die Mediterrane kamen mir noch immer aus jeder Pore entgegen. Also vor Erledigung der wichtigsten Mutterpflicht (Schultaxi) ingwerkauend ne Tasche gepackt und nach der Botenfahrt in die Sauna geflüchtet. Dort als lebender Knoblauchaufguss fungiert und zahlreiche neue Freunde gewonnen.

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Geläutert und einigermaßen wohlriechend kam ich wieder nach Hause. Die Welt war wieder in Ordnung. Bis zum abendlichen Begrüßungskuss des Gatten. Der dünstet nämlich noch immer. Deshalb hab ich mich jetzt im Gästezimmer hinterm Rechner verschanzt. Und da bleibe ich heute, bis ich auf dem Sofa umfalle. Und morgen mach ich dann große Wäsche. Laken, Kissen, Bettdecke, Matratzenbezug. Und Gardinen. Haltet mich für spießig, aber: Ab morgen für Mediterrane Zutritt verboten.