Das mach ich doch mit links!
Sitzplatz, Schreibhaltung, Schreibgerät – wenn man auf die Bedürfnisse von Linkshändern eingeht, haben sie keine Nachteile.

Das mach ich doch mit links!

Zwei meiner drei Kinder sind Linkshänder. Das ist auf den ersten Blick kein großes Problem – auf den zweiten Blick kann es einen als Eltern vor der Einschulung aber schon vor gewisse Herausforderungen stellen. Während meine große Tochter sich erst sehr spät als Linkshänder „geoutet“ hat, war es bei meinem Sohn schon mit drei Jahren klar. Da meine Tochter anfangs alles beidhändig machte, hat man ihr im Kindergarten eine Rechtshänderschere gegeben und auch sonst war alles auf Rechtshändigkeit ausgelegt. Ich denke, dass das auch der Grund ist, warum sie jetzt mit rechts wirft und vieles mehr macht. Einzig und allein das Schreiben macht sie mit links. Bei meinem Sohn war das ganz anders. Er macht alles mit links, auch beim Fußballspielen kickt er zur Freude seines Trainers mit links. Im Kindergarten war noch alles problemlos mit der Linkshändigkeit. In der Schule gibt es dann aber einige Dinge, auf die man besser achten sollte – zumal nicht alle Lehrkräfte darüber Bescheid wissen, wie ich als Lehrerin selbst erfahren habe.

  • Sitzplatz wählen
    Das linkshändige Kind sollte in der Schulbank immer links sitzen, sonst stößt es mit dem rechtsschreibenden Nachbarn zusammen. Nicht selten gibt es deswegen Streit.
  • Schreibutensilien aussuchen
    Linkshändige Schreibutensilien sind sehr wichtig: Füller, Spitzer, Lineal – all das gibt es auch für Linkshänder. Spezielle Schreibblöcke für Linkshänder haben die Ringe auf der rechten Seite. Alternativ: Schreibblock kopfüber nehmen und „von hinten“ beginnen.

Gerade auch im Werk- und Handarbeitsunterricht ist es wichtig, dass dem Kind das jeweilige Vorgehen von der anderen Seite gezeigt wird. Aber auch außerhalb der Schule ahnt man nicht, wie schwer einzelne Sachen mit der linken Hand sind. Ich bin Rechtshänderin und vor meiner ersten Herausforderung stand ich, als ich meinem Sohn das Schuhebinden beibringen wollte. Er hat meine Ausführungen einfach nicht verstanden und ich begriff anfangs nicht, wieso. Nun hatte ich das Glück, dass mein Mann Linkshänder ist. Er zeigte dann das Schuhebinden unserem Sohn und siehe da – es funktionierte. Mit der linken Hand geht alles – von Rechtshändern aus gedacht – andersherum und man muss sich erst umstellen. Das ist eben auch in den Fachunterrichten der Fall. Ging es in der dritten Klasse ums Häkeln, machte mein Sohn das mit der linken Hand und es fiel mir sehr schwer, ihm das zu Hause zu erklären. Zwar sagt man, dass „Linkshänder intelligenter“ seien, aber das wird sich im Laufe der Schulzeit wohl noch herausstellen. Eine weitere Schwierigkeit für einen Linkshänder besteht darin, sein schon Geschriebenes nicht zu verwischen. Vor allem mit der Einführung des Füllers war das ein Problem.

Schreib-Tipps für Linkshänder:

  • Winkel finden
    Um das Verwischen des bereits Geschriebenen zu verhindern, empfiehlt man dem Kind, sein Blatt oder Heft in einem bestimmten Winkel vor sich hinzulegen.
  • Schreibmethode ausprobieren
    Während mein Mann den Stift mit stark gekrümmten Fingern hält, damit nichts verwischt, legt meine Tochter das Heft schräg vor sich hin. Bei meinem Sohn gestaltete es sich etwas schwieriger – er hat grundsätzlich keine schöne Handschrift.
  • Alternative: Tintenroller
    Zum Glück erlaubte die Grundschullehrerin meines Sohnes, statt mit Füller mit einem Rollerpen zu schreiben. Diese verwischen nicht so leicht. Bis heute schreibt er mit einem solchen Stift.

In all der Zeit habe ich gelernt, dass es keine einheitliche Lösung geben kann. Zumindest für meine Kinder nicht. Denn so individuell wie jedes Kind ist, so individuell geht es auch mit der Linkshändigkeit um. Wir Eltern und Lehrer können nur Hilfen anbieten und schauen, ob sie für das Kind tatsächlich anwendbar und sinnvoll sind.